Pressemeldung:

In der Entwicklung der Dienstgeschäfte spiegeln sich zum Teil gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen aber auch politische Entscheidungen wider. So kommentierte der Direktor des Amtsgerichts Borken, Dr. Martin Middeler, die Jahresstatistik, die er am Freitag, den 16. Januar 2026, bei der jährlichen Personalversammlung vorstellte.

Im Jahr 2025 fielen beim Amtsgericht 655 neue Zivilsachen an, was – einem langjährigen Trend folgend – erneut einen deutlichen Rückgang um 6 % darstellt. Denn die für die Zuständigkeit der Amtsgerichte maßgebliche Streitwertgrenze lag im Jahr 2025 (seit 30 Jahren) unverändert noch bei 5.000,00 Euro (früher 10.000,00 DM). Dem hat der Gesetzgeber nun Rechnung getragen. Ab dem 01.01.2026 sind die Amtsgerichte in Zivilsachen für Streitigkeiten bis zu einem Wert von 10.000,- Euro zuständig, weshalb künftig mit einem Anstieg der Eingänge zu rechnen ist.

Bei den Familiensachen gab es mit 930 Verfahren erneut ein Plus von 4 %, wobei vor allem eine deutliche Zunahme bei den hochstreitigen Sorgerechts- und Umgangsverfahren zu verzeichnen ist.

Langjährig konstant ist mit 2162 die Zahl von laufenden Betreuungssachen. Zwar gebe es aufgrund der demographischen Entwicklung mehr alte und hilfsbedürftige Menschen. Dies schlägt sich in der Statistik jedoch vermutlich deshalb nicht nieder, weil viele Menschen inzwischen ihren Angehörigen Vorsorgevollmachten erteilen.

Bei den Strafsachen für Erwachsene gab es im Jahr 2025 eine Trendumkehr: Anders als in den Vorjahren gingen bei den Einzelrichtersachen 262 neue Verfahren und damit 24 % mehr ein, wohingegen die Strafbefehlssachen um 15 % auf 470 Eingänge zurückgingen. Ebenso war auch bei den Schöffensachen mit 39 Verfahren ein kräftiger Zuwachs zu verzeichnen. Die Zahl der Jugendstrafsachen ging hingegen zurück: bei den Jugendschöffensachen um 17 % auf 48 Neueingänge, bei den Jugendrichtersachen um 2 % auf 136 neue Verfahren.

Bei den Bußgeld- und Erzwingungshaftsachen ist ein deutliches Minus von 12 % auf 791 Verfahren festzustellen. Hier hat sich mutmaßlich insbesondere die Änderung der Geschwindigkeitsbegrenzung am Ausbauende der B67 in Reken – Maria Veen ausgewirkt.

Im Grundbuchamt ist im Jahr 2025 wieder erheblich mehr zu tun gewesen: 7081 neue Anträge waren zu bearbeiten. Das Plus von 8 % sei sicher auf eine jedenfalls im hiesigen Bezirk anziehende Baukonjunktur zurückzuführen. Demgegenüber steht allerdings - wenn auch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau – ein deutlicher Zuwachs an Zwangsversteigerungssachen um 38 % auf 33 Verfahren. Dementsprechend gab es auch bei den allgemeinen Zwangsvollstreckungssachen erneut einen Zuwachs von 5 % auf 2524 Verfahren gegeben.

Bei den Nachlasssachen war ein Plus von 4 % zu verzeichnen, bei den Landwirtschaftssachen hingegen ein Rückgang von 24 %.

Mit 64 Abschiebehaftsachen wurden im Jahr 2025 neun Anträge weniger gestellt als im Jahr 2024, war aber wohl nichts mit der zuletzt gesunkenen Zuwanderung zu tun hat, denn in praktisch allen Abschiebehaftsachen halten sich die Abzuschiebenden bereits mehrere Jahre in Deutschland auf. Große Bedeutung hat eher die sehr wechselhafte Rücknahmebereitschaft der Zielländer.

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im vergangenen Jahr um 223 auf 952 gesunken, ein Minus von 19 %, das wohl auch im Zusammenhang mit den bereits sehr hohen Austrittszahlen in den zurückliegenden Jahren zu sehen ist.

Zum Abschluss seines Jahresrückblicks dankte Dr. Middeler den 67 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtsgerichts für ihren Einsatz, welcher der Grund dafür sei, dass die Erledigungszeiten beim Amtsgericht Borken im statistischen Mittel wesentlich kürzer seien als im Durchschnitt der Landesjustiz.